Der Weg ins eigene Sein

                U'Tchuil'h Annouk Rachwalsky

Bekannt als uralte kulturenübergreifende Heilkunst erweist sich die kreative und facettenreiche Arbeit des Schamanen als sehr hilfreich, auf der ganzheitlichen Ebene das ureigene Potential des Einzelnen behutsam zu entfalten und somit das wahrhaftige Sein ergründen, verstehen und leben zu können.

 

Schamane sein, schamanisch wirken...ja..was bedeutet das eigentlich?

 

Es beginnt damit, daß beispielsweise beim Volk meines Vaters (Tlingit, Kanada) kein Schamane auf die Idee kommt, sich selbst als Schamanen zu bezeichnen.

 

Es ist einfach das pure Sein mit der Kraft, mit Spirit, das Einssein mit allem.

 

Der Begriff Schamane ist hier in Deutschland gang und gäbe. Viele Leute haben viele unterschiedlichen Vorstellungen davon. Meistens werden Worte wie Magie, Zauberei, Übermenschliches und ähnliche mit Schamanismus gleichgesetzt. Doch damit hat Schamanismus überhaupt nichts zu tun.

 

 

 

Dieses Wirken als Berufung zu leben, bedeutet für mich einzutauchen in die Grenzenlosigkeit des puren Seins mit allem, was es beinhaltet.

 

Für mich ist „Schamane sein“ keine besondere Auszeichnung. Ein jeder von uns trägt die Qualität des Lichtes in sich. Somit kann jeder schamanisch wirken. Wir stammen alle aus derselben Quelle, sind alle Sternenkinder und haben die Anlagen mitgebracht, die es dafür braucht.

 

Es kommt auf die Entscheidung eines jeden an, ob er das „Schamane sein“ als seine Berufung leben möchte, bereit ist, bedingungslos zu dienen, bedingungslos zu lieben, auf der Ebene des Herzbewußtseins zu verstehen - weit über den Verstand hinaus und hinter die Fassaden zu schauen ohne in Urteil oder Wertung zu verfallen, sich in die Einheit mit allem, was ist, einfach fallen zu lassen – frei von Angst und Zweifeln.

 

Schamanisch wirken bedeutet, das jeweilige Gegenüber zu respektieren, zu akzeptieren und das „so-sein-lassen“, d. h., eben nicht zu missionieren, sondern behutsame Bewußtseinsentwicklung zu initiieren, wenn es denn der Wunsch der Seele ist und in den Ausdruck gebracht werden möchte. Hat der Mensch selbst wirklich die Bereitschaft, in die Veränderung zu gehen? Das ist ein sehr wichtiger Faktor ohne dessen Bejahung eine Veränderung überhaupt nicht stattfinden kann.

 

Das Problem sind die Konditionierungen, die wir schon im Kleinkindalter erfahren. Darum gilt es, längst überlebte Verhaltensmuster, Denkmuster, Glaubensgrundsätze, Wertvorstellungen, Konditionierungen durch Gesellschaft und Umfeld hinter uns zu lassen.

 

Erlebnisse bzw. Erfahrungen im aktuellen Leben oder aus zurückliegenden Inkarnationen ließen Muster entstehen, die nicht im Einklang mit dem wirklichen ureigenen Sein stehen.

 

Das äußert sich beispielsweise durch Ängste, Unwohlsein, Kraftlosigkeit, „sich nicht richtig hier zu fühlen“, körperliche Befindlichkeitsstörungen u.v.m.

 

 

 

Je mehr wir hinter uns lassen bzw. auflösen, schaffen wir Raum für uns selbst und nähern uns dem eigenen wahrhaftigen Sein. Das bedeutet, sich bewußt zu entwickeln, zurückzufinden ins eigene Herz, sich so zu leben und auszudrücken, wie man wirklich ist.

 

Leben wir aus unserem Herzbewußtsein heraus, d. h., schwingen wir in bedingungsloser Liebe, so erkennen und fühlen wir immer klarer die Bedeutung und Tragweite dessen, eins mit allem zu sein.

 

 

 

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, durchaus schamanisch zu wirken, ohne dies als Berufung zu leben. Hierbei handelt es sich um das Erlernen schamanischer Techniken zur Anwendung im Alltag oder das Einfließenlassen dieser Techniken in das eigene Arbeitsfeld, privat und beruflich, um sich das Leben zu erleichtern, mehr Freude und Glück zu erfahren. Dieses Wirken entbehrt jeglicher Manipulation, da hier die reine Lichtebene zum Tragen kommt.

 

 

 

Manipulation ist das Feld des Egos.

 

Das Ego ist eine sehr niedere Schwingung außerhalb unseres Seins. Es ist ein Trickster, liefert falsche Selbstbilder, kreiiert massive Täuschungen bis hin zu sogenannten „blackouts“. Dann nämlich sinkt das Bewußtsein unter die Schwelle des bewußten Denkens. (Das passiert z. B. im Alkohol- oder Drogenrausch). Im Feld des Egos geht es in erster Linie darum, etwas erreichen zu wollen, um selbst Größe und Ansehen zu gewinnen, anderen gegenüber im Vorteil oder im Recht zu sein.

 

Aus dem schamanischen Bewußtsein betrachtet, erkennen wir ganz klar die Struktur und die Machenschaften des Egos und verweisen es auf seinen Platz – nämlich außerhalb unseres Seins.

 

Je größer die Zahl derer, die sich ihrem Herzen zuwenden, desto eher gibt es die tatsächliche Möglichkeit eines friedvollen, liebevollen, glücklichen Miteinanders in der vollkommenen Fülle auf unserer wunderbaren Mutter Erde.